Feedback

Eine Seite zu einem solch komplexen Thema macht niemand nur mal schnell so. Man macht sie, wenn man für die Sache brennt und das Anliegen hat, Menschen, die diesbezüglich auf der Suche sind, mit Informationen zu helfen. Ich bekomme nichts dafür und letztlich werde ich selten erfahren, ob ich dieses Ziel erreicht habe.
Trotzdem kommt es vor, dass ich ein Feedback erhalte.
Eines hat mich sehr berührt, darum möchte ich es hier teilen.

Ich verfolge damit jedoch nicht die Absicht, darstellen zu wollen, wie eine FLR auszusehen hat. Auch Birminghams Schilderung ist seine ganz persönliche Beschreibung. Ein anderes Feedback kann ganz anders aussehen.
Es soll einfach ein Beispiel sein dafür, wie bunt und verschieden erfüllende FLR-Beziehungen sein können und dass sie keineswegs irgendwelche Vorgaben und Must Haves brauchen.

Birmingham (Nickname) schreibt u.a.:

Es ist mir seit langem ein Bedürfnis, Ihnen zu schreiben.
Zunächst einmal möchte ich Sie zum Erfolg Ihres Buches beglückwünschen. Es freut mich ausserordentlich, dass durch Sie die wunderbare besondere Beziehungsform der FLR bekannter wird.
Ich möchte Ihnen vor allem mitteilen, dass die Zeit im Forum (minervas forum, das derzeit geschlossen ist) für mich sehr sehr lehrreich war und mich bei Ihnen dafür bedanken. Ich war ja sozusagen ein „Aussenseiter“, der noch keine wirklichen Erfahrungen mit FLR hatte, auch nicht mit BDSM, und der eigentlich eine Dame suchte, mit der er nach zwei gescheiterten Ehen glücklich werden kann.
Dabei hatte ich diese Dame die ganze Zeit in meiner Nähe – sie wohnt im selben Stadtteil – und hatte auch schon seit zwei Jahren viele Begegnungen mit ihr. … ich dachte, sie will keine Beziehung, sondern einfach nur eine Freundschaft, und ich muss auch vorausschicken, dass dies heute „offiziell“ immer noch so ist, ich bin immer noch auf dem Weg, aber es scheint sich zu entwickeln.
Es ist M., eine wunderbare Frau. … Als sie mir vor ein paar Jahren, nachdem meine zweite Frau mich verlassen hatte, wirklich herzliche Geburtstagswünsche schickte, rückte sie in den Fokus meiner Aufmerksamkeit als mögliche Partnerin. Es dauerte aber noch eine Weile bis ich den Mut hatte, ich irrte panisch im Internet herum, beantwortete und schaltete viele Annoncen, eine schlimme Zeit, dann fand ich das FLR-Forum, wurde so wunderbar von Ihnen begrüsst und ermutigt und begann M. mein Interesse zu zeigen….
Ich denke … es interessiert sie vielleicht, wie diese Beziehung sich entwickelt. Zunächst einmal habe ich im letzten halben Jahr … erkannt, was ich am Anfang noch oft falsch machte und das habe ich mir seither absolut verinnerlicht:
Ich hatte Erwartungen.
Das haben Sie oft betont, der Sub hat „erwartungslos zu warten“. Hier habe ich es am eigenen Leib gespürt was es heisst, den eigenen Egoismus, den Wunsch beherrscht zu werden, vor den Wünschen der Dame zurückzustellen. Ja ich erkannte, dass das ja eigentlich „Topping from the Bottom“ ist wenn ich Erwartungen hatte. Ich war voreilig, ich war blind verliebt. Sie wollte das aber (noch?) nicht. Seit dieser Erkenntnis des erwartungslosen Wartens bin ich ruhig und glücklich, bin da angekommen wo ich sein weil, weiss dass es „richtig“ ist. 

Ich habe bemerkt, dass M. sehr gerne mit mir ist, sehr gerne mit mir redet, Spass hat, wir gehen oft ins Kino, kochen zusammen, fahren mit dem Rad, und vor allem reden wir sehr sehr gerne über alles, ihre und meine Arbeit und über ihre und meine Zukunft, Ziele und Wünsche. Wir entdeckten viele gemeinsame Interessen und Ansichten. Wir fuhren sogar in diesem Sommer zusammen in einen „Aktiv-Urlaub“ ans Meer, das sie so sehr liebt. Dabei achtete Sie aber strikt darauf, dass es keine intimen Annäherungen gab, das Thema Sex und Liebe war (und ist weiterhin) tabu. Sie schlief im Doppelbett, ich auf einer Pritsche auf der anderen Seite des Zimmers. Sie sagte, wenn sie mein Schnarchen stört, muss ich auf den Balkon….
Ich habe ab Januar dieses Jahres aufgehört, andere Damen zu suchen, ja ich habe sogar für mich entschieden, dass ich M. den Rest meines Lebens ergeben bleiben werde, auch wenn sie niemals Sex von mir will, dann eben „nur“ als Freund, wie sie es will und solange sie selbst keine andere Partnerschaft eingeht. Ich lebe sozusagen in einem ständigen „tease and denial“, denn sie geizt nicht mir ihren Reizen vor mir. Sie ist sehr schön, sportlich, schlank , sehr attraktiv, sieht 10 Jahre jünger aus. Ihre erotische Power ist ungeheuer, aber ich versuche so zu sein, wie sie es sich wünscht, meine Wünsche zählen nicht, dadurch regelt sie eigentlich auch meine Keuschheit schon, denn ich hasse es zu masturbieren, obwohl mein Schwanz täglich mehrmals steht, wenn ich nur daran denke unter der absoluten Kontrolle meiner Dame zu stehen.
Wir reden auch nicht über FLR und solche Dinge, ich habe bemerkt, dass es richtiger ist durch Tat zu zeigen, zu dienen und, dass ich immer bereit bin ihr zu dienen, anstatt darüber zu reden.M. ist dominant, sie bestimmt, wann sie mich sehen will und wann nicht, sie bestimmt die Themen unserer Gespräche, sie entscheidet, was wir unternehmen, obwohl sie mich oft fragt, was ich möchte, da antworte ich brav und sie entscheidet, ob sie meine Wünsche respektiert oder nicht. Und dabei ist sie aber sehr lieb, sorgt sich um mich und respektiert und bewundert mich auch. Und sie nahm auch schon meine Schulter zum Ausweinen in Anspruch, ein sehr sehr schöner Moment.
Es ist einfach wunderbar und wir kommen uns immer näher. Gestern z.B. waren wir in einem Restaurant und sprachen über unsere Arbeit. Sie sehnt sich danach selbst eine Firma zu leiten, sie will der Boss sein. Da sagte ich ihr, dass es bei mir so ist – denn ich bin selbständig – dass ich einen Boss brauche, ich brauche die Kontrolle, es ist hart an meiner Disziplin alleine zu arbeiten. Da sagte sie „Möchtest du mich als deinen Boss?“ Ich sagte spontan „Ja“.  Sie gab darauf keine Antwort, lächelte nur ihr bezauberndes, „wissendes“ Lächeln.
Solche kleinen Szenen, in denen ich ihr meine Submissivität ein wenig zeige, ja und auf natürliche Weise – ohne zu übertreiben – und ihre Dominanz erkenne, gibt es oft und immer wieder.
Als ich heute Ihren Blog vom 1.10.18 las, dachte ich ich sollte Ihnen mitteilen, dass es sich bei uns wirklich „natürlich“ entwickelt. Ich bin nicht mehr so dumm und übertreibe meine Submissivität, ich habe auch alle Zeit der Welt, es sich natürlich entwickeln zu lassen, obwohl ich inzwischen schon über 60 Jahre alt bin, aber ich fühle mich jünger und bin sehr sehr glücklich wie es sich entwickelt.
Das wollte ich Sie wissen lassen, weil Sie und auch Andere im Forum mir sehr geholfen haben mit ihren Erfahrungen und Ansichten über FLR.Ich habe aber vor, wenn es so weiter geht wie jetzt mit M. – und davon gehe ich aus – dass ich meine Erfahrungen dann mitteile, um die Idee der … FLR zu unterstützen, denn ich glaube inzwischen, dass es eine naturgegebene Sache ist, dass männliche Wesen den weiblichen dienen [sollten].
Noch ein Wort zum Thema FLR vs. BDSM. Ich sehe das genauso wie Sie. Für mich muss es in der FLR keine SM Praktiken geben, ich denke auch, dass M. daran gar kein Interesse hat, obwohl man nie wissen kann, was in ihr steckt. Vielleicht gibt es in mir auch einen Hang zum Masochismus, aber ich brauche das nicht.
Ich will einfach dienen.

 

Jay (Nickname):

Liebe Lilith,

da wollte ich Ihr Buch (mal wieder) einer guten Freundin empfehlen und sehe, dass Sie zwischenzeitlich eine Webseite mit Kontaktmöglichkeit haben. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen zu schreiben.
Vor ca. einem Jahr saß ich geradezu unschuldig bei Frau Blum in Stuttgart-West. Denn dort war eine Lesung angekündigt, deren Thema mich »eigentlich« nicht so wirklich interessierte. FLR? Frauen, die in Beziehungen führen? Nein, ich war zwar BDSM-lerin, aber seit zehn Jahren streng devot. Nun ja, irgendetwas in meinem Unterbewusstsein ließ mich in die Bahn steigen und zur Lesung fahren.
Sie und Ihr Partner saßen auf der Bühne und ich musste mehrmals sehr genau hinschauen. Dominante Frauen – das waren doch diese unweiblichen und lauten Herrinnen? Submissive Männer – das waren doch diese jungenhaften und verschüchterten Bubis?
Nein … denn was ich sah, das war ein harmonisches Paar bzw. zwei sehr sympathische und geerdete Menschen, die etwas zu verbinden schien, das ich nicht recht greifen konnte. Mein erster Gedanke: Jay, was machst du bloß falsch?
Die Lesung begann und ich wurde regelrecht gefangen genommen von Ihrer beider Energie. Ich musste dieses Buch sofort lesen! Mein damaliger (dominanter) Spielpartner hatte nur einen verächtlichen Kommentar übrig, als er es bei mir auf dem Nachttisch liegen sah. Ich nahm es locker, doch im Nachhinein denke ich mir: Verachtung ist oft eine subtile Form der Angst.
Nachdem ich das Buch an zwei Tagen verschlungen hatte, stand ich vor einem Dilemma. Einerseits sehnte ich mich nach dem, was Sie beschrieben haben. Andererseits: Ich – dominant? Wie sollte das denn gehen?
Die folgenden Monate gebe ich etwas verkürzt wieder, sonst wird aus dieser E-Mail ein halber Roman. Ich traf mich mit einer Domina, besuchte FemDom-Events, änderte meine Orientierung erst zu »Switcherin« und später zu »dominant« und verabschiedete mich von sämtlichen dysfunktionalen Verstrickungen mit dominanten Männern. Denn deren Kick war irgendwie nicht mehr mein Kick. Ich entdeckte eine neue Welt, obwohl ich mich zehn Jahre lang äußerst routiniert auf dem BDSM-Parkett bewegt hatte. (Zumindest dachte ich das.)
Ich lebe nicht in einer FLR … noch nicht 😉 Aber ich habe wunderbare Erlebnisse, in denen ich Tiefe und Verbundenheit fühle.
Dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken. Sie waren der Sand in meinem Getriebe, der Fragen aufwarf, die ich mir bis dato nicht gestellt hatte. Ich bin noch dabei, einiges zu justieren, doch die Rädchen drehen sich wieder – so gut wie nie zuvor.
Liebe Lilith, lieber Rolf, danke für dieses Buch. Danke, dass es Sie Beide gibt.
Ein paar allgemeinere Wort noch zum Abschluss. Ich bin sehr aktiv auf Social Media und als dominante Frau in meinem Freundeskreis »geoutet«. Es mag an meiner Filterblase liegen, aber es gibt sehr viele, die sich für FemDom und FLR interessieren. Vielleicht erleben wir gerade einen neuen Trend (nach dem Hype von »Shades of Grey«)? Vielleicht findet unsere Gesellschaft endlich einen konstruktiven Zugang zu dem Themenkomplex »Frauen und Macht«, der sich außerhalb stereotyper Rollenbilder befindet?
Ich bin gespannt und hoffe, dass viele andere den Mut finden, sich selbst und ihre Wünsche – entgegen der erlernten Konventionen – zu entdecken. Ihr Buch empfehle ich jedenfalls immer gerne weiter.

Herzgruß aus Stuttgart
Jay