Mein Weg

Hier möchte ich ein bisschen davon berichten, wie es dazu kam, dass ich heute zum Thema FLR etwas zu sagen habe.

Man glaube nicht, ich sei im Lauf meines Lebens irgendwann auf eine solche Beziehung vorbereitet worden. Mein Leben verlief, was Beziehungen betrifft, nahezu klassisch. Jedenfalls bezogen auf die heutige Zeit:
Braves Mädchen, eine große Liebe, die zerbrach, Eheschließung und zweifaches Mutterglück während des Studiums. Erfüllte Berufsjahre in diversen Schulen, zwischendurch Scheidung und lange Singlejahre als allein erziehende Mutter. Heftige Aufs und Abs, die auch gesundheitliche Folgen hatten und irgendwann mal der Zeitpunkt, an dem ich mehr oder weniger ‚durch‘ war.
Endlich konnte ich mich auf mich selbst besinnen. Partner? Na ja, vielleicht, aaaaaaaaaaaber:

Ich zog ein Blatt heran und schrieb:

Wie muss ein Partner aussehen, der es wert wäre, dass ich mich nochmal auf das Abenteuer Partnerschaft einlassen würde?

größer als ich
nett anzuschauen
Alter egal, aber nicht mehr als 5 Jahre jünger als ich
humorvoll
finanziell unabhängig
zuverlässig
fähig, Verantwortung zu übernehmen
großzügig
wahrnehmend
zugewandt
kinderliebend
interessiert
naturliebend
gepflegt
in sich ruhend
treu
ohne allzu problematische Altlasten
ehrlich
sensibel und zärtlich vor allem auf sexuellem Gebiet

Lächelnd betrachtete ich die Liste, die ich fürs erste beendete. Na ja, träumen konnte man ja. Es war mir schon klar, dass das wahrscheinlich Wunschdenken bleiben würde. So einen Prachtkerl konnte es eigentlich nicht geben.
Aber vielleicht ja einen, der dem nahe kam? Irgendwann … irgendwo …! Aber wo? Und wann?

Und davon abgesehen gab es zwei grundlegende Prinzipien, die so fest zementiert waren, wie die Chinesische Mauer:

1. Nie wieder mit einem Mann zusammenziehen
2. Nie wieder heiraten

Fürs erste machte ich mich jedoch daran auszuprobieren, ob ich überhaupt noch männertauglich war, bzw., ob ich die Sache mit dem Sex vielleicht verlernt hätte. Hatte ich nicht. Das ist wie mit dem Radfahren – man verlernt es nicht.
Zu meinem großen Erstaunen jedoch hatten beide Männer, mit denen ich das Experiment startete, Fetische: Der eine stand auf Latex, der andere auf Hüftgürtel samt Feinstrümpfen und Damenschmuck. Ich war völlig verwirrt und fragte mich, wie ich ausgerechnet an solche Typen geraten konnte. Ich führte es auf ihr Alter zurück – sie waren beide ca. 20 Jahre jünger als ich.
Der dritte Mann passte besser zu mir, nicht nur altersmäßig, sondern überhaupt. Rolf war ein Bild von einem Mann, und als er Interesse signalisierte, war ich elektrisiert. Dieser Mann kam in Frage, kein Thema. Zunächst war es ein Schock, als er sich ziemlich bald als devot und auf der Suche nach einer dominanten Frau zum Verwöhnen outete; mit der Neigung zu  Spanking, Handschellen, Fesseln etc.  In diesem Fall nicht à la 50 Shades of Grey, sondern umgekehrt. Ich und dominant? Hä? Obwohl … Aber schlagen? Nie!
Ich betrachtete mir diesen sanften, durchaus männlichen zauberhaften Mann und beschloss, mich einzulassen. Das war so besonders in jeder Beziehung … ich wollte wissen, um was es da ging.

Wir begannen zu experimentieren, ich lernte all die Spielsachen kennen, die  ich bislang nur von Filmen und Fotos im Internet gekannt hatte. Ich lernte, Handschellen zu gebrauchen, kaufte mir erotischen Fummel, Highheels und diverse Dinge, an die auch nur zu denken mir bis dahin fern gelegen hatte. Aber Schlagen war ein NoGo. Ich verstand diesen Wunsch nicht. Bis etwas geschah, das alles veränderte:

Und dann kam der Tag, an dem etwas geschah, was für mich noch kurz zuvor nicht denkbar gewesen war. Rolf spielte sein Lieblingsspiel: mich herauszufordern. Später lernte ich, dass dies im BDSM-Bereich als ‚topping from the bottom‘ bekannt ist.
Bislang hatte ich das Heft in der Hand gehabt, hatte bestimmt, was wann wie zu geschehen hatte und Rolfs Verwöhnanfälle genossen.
An diesem Morgen war er knatschig. Irgendwas war ihm über die Leber gelaufen und er ließ es an mir aus. Er landete einen Knaller nach dem anderen an meine Adresse, und irgendwann war das Fass voll. Ich wurde stinkwütend.
Und dann tat ich, was ich bis dahin als absolutes No-Go betrachtet hatte (verständlich für jemanden, der als Kind geschlagen worden war): Ich eilte ins Schlafzimmer und schaute mich nach irgendetwas um, mit dem ich ihm den Hintern versohlen konnte. Zum damaligen Zeitpunkt gab es meine Gertensammlung noch nicht. Das einzige, was ich fand, war ein dickes, langes Seil. Rolf hatte bestimmt an etwas anderes gedacht, als er es kaufte, aber mir kam es jetzt gerade recht.
Bevor ich die Schranktür schloss, fiel mein Blick auf das neue Ledermieder, ein Geschenk Rolfs, das ich liebte und gerne trug. Und spontan beschloss ich, mich entsprechend zu stylen, weil es mir erleichtern würde, in diese ungewohnte Rolle zu schlüpfen.
„Ha! Jetzt wirst du Augen machen!“
Ich legte das Mieder an, streifte die Glitterhose über, eine enge, schwarze Leggin und stieg in die High Heels, die ich vorsorglich für solche kurzen Sessions gekauft hatte, obwohl mir die Dinger normalerweise zu hoch sind.
Und zum Schluss kam noch die venezianische Karnevalsmaske Marke „Vamp“ zum Einsatz, die ich für besondere Momente ganz hinten im Schrank versteckt hatte. Und wenn ein Moment besonders war, dann der folgende.

„Rolf!“ Hart, kurz, zornig und bestimmt.
„Hä?“, Rolf drehte sich irritiert nach mir um und riss die Augen auf.
„Hierher! Auf die Knie!“ Ich schlug auffordernd mit dem vierfach gelegten Seil gegen meinen Schenkel. Mein Herz klopfte zum Zerspringen. Hier und jetzt würde etwas geschehen, das auf jeden Fall richtungsweisend sein würde. Egal, wohin es führte, jetzt konnte ich nicht mehr zurück. Neben der Angst gab es aber auch eine Erregung, die ich bislang nicht gekannt hatte.
Rolf stand auf wie in Trance, sah das Seil in meiner Hand und öffnete den Mund.
„Schweig! Du hast den Mund zu halten. Auf die Knie!“
Gehorsam sank Rolf auf die Knie und schaute ergeben zu mir auf.
„Hose runter!“
Die Augen unverwandt auf mein Gesicht gerichtet streifte Rolf die Hose ab und dann den Slip.
„Auf alle viere!“ Einen nackten Mann auf allen vieren von hinten zu betrachten, ist ein spezielles Vergnügen. Ich genoss erstmal den Anblick und stellte verdutzt fest, dass Rolf an der Situation offensichtlich sein Vergnügen hatte.
„Ich glaub es ja nicht! Na, warte, mein Freund, ich werd dir das gleich austreiben. Du weißt, wofür du das jetzt gleich kriegst?“
„Ja, Herrin! Ich habe dich geärgert. Ich war ungerecht zu dir.“
„Richtig! Ist das erlaubt?“
„Nein, Herrin!“
„Und wie viele Schläge hast du verdient? Du setzt dein Strafmaß selbst fest!“ Zu meiner Überraschung reagierte sein Zentrum sichtbar darauf.
„Verdient hätte ich mehr, aber wenn es der Herrin gefällt, würde ich sagen: 12?“
„12! In Ordnung. Aber die 12 werden dir vorkommen wie 100, das verspreche ich dir. Du wirst dich für jeden Schlag bedanken und mir sagen, welche Stärke er auf einer Skala von 1 bis 10 hat.“
„Ja, Herrin!“ Er zitterte am ganzen Leib, aber ich wusste, dass das mit der Zimmertemperatur nichts zu tun hatte.
Und dann holte ich aus! Ich hatte keine Erfahrung damit, wusste nicht, wie viel zu viel war und wie viel zu wenig. Und ich schlug zum ersten Mal zu.
Der Schlag entlockte Rolf ein Keuchen, dann meldete er wie befohlen: „Danke Herrin, 6.“
Sechs? Mir war es vorgekommen wie 20. Ich schlug erneut zu.
„Danke Herrin, 7.“
Zu meiner maßlosen Überraschung meldete sein Gemächt, dass es Spaß hatte an der Prozedur. Ich wurde ärgerlich. Das sollte eine Bestrafung sein, keine Vergnügungstour. Diesmal holte ich weiter aus. Rolf entfuhr ein Zischen zwischen zusammengepressten Zähnen.
„Danke Herrin, 9.“
Gut so! Und während ich weiter zuschlug, wurde mir bewusst, dass zum ersten Mal ich diejenige war, die das Heft in der Hand hatte, dass ich mich zum ersten Mal gegen despektierliches Verhalten mir gegenüber wehrte, und das fühlte sich gut an.
Beim zwölften Schlag kam endlich die erwartete Meldung: „Danke Herrin, 10.“
Ich ließ das Seil sinken und schaute völlig erschrocken auf die Spuren, die es auf Rolfs Schenkeln hinterlassen hatte.
„Mein Gott …“, setzte ich an, doch dann geschah etwas, das mir die Sprache verschlug und das ich niemals wieder vergessen werde.
Rolf richtete sich auf, umfasste meine Knie, legte die Wange daran und zitterte wie Espenlaub am ganzen Körper. Im ersten Moment dachte ich zutiefst schockiert, ich hätte die Sache übertrieben.
Doch dann hörte ich, was er stammelte: „Das ist geil, das ist so geil, danke, Herrin, danke, danke. Oh Gott, ist das geil.“ Tränen traten ihm in die Augen, und er wischte sie nicht weg.
Ich beugte mich hinab und hob ihn auf. Er legte die Arme um mich, presste mich an sich und stammelte immer wieder: „Danke, danke.“
Schließlich führte ich ihn zum Bett, ließ mich, ihn umfangend darauf nieder und hielt ihn nur fest. Wieder schüttelte es ihn von Kopf bis Fuß, und er murmelte, stammelte und flüsterte pausenlos Worte, von denen ich nur wenige verstand, aber das war nicht wesentlich. Es waren wortlose Worte, die alles sagten.
Ich deckte uns zu, hielt ihn fest und versuchte zu verstehen, was da passierte. Irgendwann ließ das Zittern langsam nach, und Rolf richtete sich, gestützt auf die Ellbogen, auf. Er schaute auf mich herab und ich sah reine Ergriffenheit in seinen Augen. Dieser Blick war so sehr Seele, so sehr Gefühl, wie ich es nie von Seiten eines Mannes erwartet oder gar für möglich gehalten hätte. Und noch etwas war neu: Dieser Blick war ganz und gar Liebe.

Und ich begriff etwas, das unsere Beziehung von nun an völlig verändern würde: Das, was ich nicht verstehen und was Rolf mir auch nicht erklären konnte, hatte sich hier offenbart: Rolf war durch das Erlebte auf eine Weise mit sich selbst und seinen Gefühlen in Kontakt gekommen, wie er es sonst nicht hätte können.
Rolf konnte nicht aufhören mich zu küssen und zu streicheln. Längst hatten wir alles abgelegt und spürten einander Haut an Haut, er erforschte meinen Körper mit Händen, Lippen und Zunge, als sei es das erste Mal, und immer wieder gab er kleine Laute von sich, Laute reinsten Entzückens. Und wir liebten uns mit ganz neuer Intensität.
„Das ist einfach so … so … geil“, murmelte er danach erneut. Diesmal entgegnete ich: „Was ist denn so geil, was daran?“
„Alles! Dass es überhaupt passieren konnte. Dass es so viel toller und wunderbarer ist, als ich mir hätte träumen lassen und weil ich jetzt ganz sicher bin.“
„Sicher? In Bezug worauf?“
Zärtlich schaute er auf mich herab: „Dass du mich liebst.“
Ich brach in Lachen aus.
„Ich krieg mich nicht mehr! Da versohle ich einem Mann den Arsch nach Strich und Faden oder nach Strich und Seil, dass mir selbst ganz blümerant wird, und er flippt aus und weiß danach erst sicher, dass ich ihn liebe?“
Rolf lächelte und strich mir eine Haarsträhne zurück. „Verstehst du das nicht?“
„Nicht wirklich.“
„Dabei ist es ganz einfach: Ich weiß doch, dass dir der Gedanke zuwider war, mich zu schlagen, und ich weiß auch warum. Du weißt, wie es sich anfühlt, geschlagen zu werden.“
Ich nickte. Das wusste ich wirklich und für mich hatten sich Schlagen und Schmerz immer mit der Erfahrung der Kindheit verbunden.
„Und schau: Du wusstest, wie sehr ich mich nach dieser Erfahrung gesehnt habe. Ich dachte, du würdest das nie können. Und dann hast du es doch getan. Das ist nur möglich, wenn du mich liebst. Und du musst mich sehr lieben, wenn du das tun kannst.“
Ich lächelte Rolf an. Er hatte recht. Wir hatten beide etwas Wesentliches erlebt und erkannt, und wir wussten, dass Rolf die Suche nach einer anderen, besser passenden Frau aufgegeben hatte. Ein gemeinsamer Weg hatte begonnen.

Und dieser Weg war spannend und aufregend und ist bis heute nicht beendet. Wir sind immer noch zusammen, seit 9 Jahren, und wir können noch immer nicht die Finger voneinander lassen. Es gab Aufs und Abs, wie immer im Leben, aber ich würde behaupten, dass unsere Beziehung so ist, wie man sie sich als Frau nur wünschen kann – und auch als Mann. Und natürlich gibt es die beiden fest zementierten Prinzipien schon lange nicht mehr.
Es ist unmöglich, das Thema FLR erschöpfend zu behandeln. Darum kann diese Seite zunächst allenfalls eine Einführung ins Thema sein. Ich möchte nochmal auf die schon erwähnten Seiten Minervas Juwelen und den Blog von Elisabeth Steinhaus verweisen und Mut machen, sich zu informieren und, sollte man eine FLR versuchen wollen, einfach zu beginnen und zu experimentieren.

Mit einem kleinen Schlussakkord möchte ich schließen:

Eine sehr gute Freundin, die ebenfalls geschieden ist und die wir in unser Geheimnis einweihten, wurde nach der ersten Überraschung sehr nachdenklich. Schließlich sagte sie mit einem feinen Lächeln: „Also, wenn ich mir das so überlege, hätte ich meinem Mann damals auch öfter mal eins überziehen sollen. Wer weiß, vielleicht wären wir heute noch verheiratet.“

 

Ich habe hier im Wesentlichen aus meinem Buch: FLR – ich möchte dich auf Händen tragen zitiert. Wer mehr davon lesen will, bekommt es überall im Handel.