Keuschheit

31. Juli 2018 Aus Von Lilith

„Das ‚Nicht-Randürfen‘ hat in einer FLR einen besonderen Stellenwert. Aber das ist ein anderes Thema.“
So endete der vorige Blog. Hier nun die Erklärung dazu:

Was hat denn Keuschheit in einer Beziehung zu suchen, in der Sexualität und Erotik doch eigentlich einen hohen Stellenwert haben? Klingt zugegebenermaßen zumindest befremdlich.

Bevor ich selbst diese besondere Beziehungsform kennenlernte, verortete ich Keuschheit in der religiösen Ecke oder bei besorgten Müttern der keuschen (jaaaaaaaaaa klaaaaaaar!) Mädchen meiner Generation, die empfahlen, bis zur Ehe möglichst die Knie geschlossen zu halten,  um das kleine verborgene Heiligtum am geheim zu bleibenden Ort, ohne Schändung in die Hochzeitsnacht zu retten.

Mit Keuschheit jedenfalls hatten und haben heutzutage noch Mönche und Nonnen zu tun, zunehmend allerdings z.B. auch junge Menschen der evangelikalen Bewegung: True Love Waits. Niemals aber ein Mann in einer Beziehung, in der  Sexualität gelebt wird, nicht wahr? Ooooooooooooder? Oder doch?

Eben das: DOCH! Allerdings ….

Mit das größte AHA auf dem Weg in meine FLR war, zu erkennen, wie leicht es ist, meinen Mann ganz konkret und damit auch im übertragenen Sinn ‚in der Hand‘ zu haben. Das hat nichts mit Unterwerfung zu tun. Wenn ich die Kontrolle über einen Partner verlange und gegen seinen Willen versuche, ihn zu irgendetwas zu zwingen, dann habe ich alles Mögliche, aber nichts, was der Beziehung gut tut. Kontrolle schon gleich gar nicht.

Es geht auch nicht so sehr darum, diese ominöse Kontrolle zu erlangen, dies ist viel eher ein Effekt, der sich ganz natürlich ergibt. Wie schon andernorts erwähnt, leiden viele Männer darunter, ihren ‚Trieb‘ nicht wirklich unter Kontrolle zu haben. Sie schämen sich häufig dafür, dem ‚Geilen Bock‘ in sich selbst ausgeliefert zu sein. Und viele Männer sehnen sich danach, in einer Partnerschaft mit einer starken Frau ihr die Kontrolle darüber zu überlassen, sich im übertragenen und tatsächlichen Sinn in ihre Hände zu geben. Sie spüren die weibliche ‚Macht‘ in diesem Bereich und fürchten sich nicht davor, sondern wollen sich ihr aus freien Stücken anheimgeben.
Das ist gar nicht so leicht. Nicht, weil Frauen das grundsätzlich nicht so gerne wollen, sondern weil die meisten davon gar nichts – wissen!
Eine Frau zu finden, die darum weiß, kann der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichen. Sehr häufig ist die Reihenfolge die, dass ein Mann seine Neigung erkennt oder darum weiß. Wenn er das Glück hat, schon eine Frau zu haben oder eine gefunden zu haben und sich zu outen wagt, führt er die Partnerin langsam zum Thema hin. Sofern diese sich darauf einlässt, kann ein aufregender gemeinsamer Weg in eine Beziehung beginnen, die für beide ein Gewinn ist.

Was hat das aber nun mit dem Thema zu tun? Sehr viel.

Der zentrale Punkt in einer FLR ist der freiwillige Verzicht des Mannes, sich selbst zu berühren, sprich: sich selbst Orgasmen zu verschaffen. Das liegt allein und ausschließlich in der Hand der Frau. Und zwar nicht nur im übertragenen, sondern auch im ganz praktischen Sinn. Fortan gehören die Kronjuwelen einzig und allein der Frau – in jeder Beziehung. Und bleibt der Mann in diesem Punkt treu (und in der Regel merkt jede Frau, wenn das nicht der Fall ist), wird er eine Form der Lust erleben, die er bislang nicht kannte. Im Fachjargon nennt man das tease und denial (engl. für Erregen und Verweigern) Ein Schwanz in der Hand einer dominanten Frau ist ein wunderbares Werkzeug. Vorausgesetzt, sie beherrscht die Handhabung. Da Frauen aber im allgemeinen phantasiebegabt sind, werden sie schnell daraufkommen, was für Varianten dabei möglich sind. Ich sag mal so: Es sind seeehr viele. Und dann werden sie die Wahrheit dieses Satzes erkennen:

Hast du den Mann beim Schwanz, hast du ihn ganz.

Jetzt könnte man den Eindruck gewinnen, es ginge hier ausschließlich um das Vergnügen des Mannes. Nein, durchaus nicht. Beim Thema Keuschheit geht es ausschließlich um den Mann. Beim Thema Vergnügen, geht es natürlich zunächst und immer zuerst um das Vergnügen der Frau. Ein Mann sucht die weiblich dominierte Beziehung ja vor allem auch darum, weil er seine Partnerin verehren, ihr mit Hingabe dienen und sie auf Händen tragen will. Da es hierbei aber eben um Caring Domination geht, haben beide immer die Ausgewogenheit des Gebens und Nehmens im Fokus.
Dass der Mann freiwillig der Frau das Werkzeug in die Hand gibt, mit dessen Hilfe sie den Liebsten wieder in die Spur bringen kann, sollte er sie mal verlieren, ist die Voraussetzung dafür, dass das gelingen kann. Allerdings: Das Werkzeug nur zu besitzen, reicht nicht, sie muss es auch nutzen. Tut sie es, wird sie es nie wieder missen wollen.